Oder eine Zeitung

Eine Mitmach-Stadtzeitung auf Papier – trotz Internet und trennender Meinungsblasen? Die »Oderberger Tribüne« hat gezeigt, wie es gehen kann. Kurzer Rückblick auf die Rathaus-Spiele 2026 und Uwe Radas Oder-Botschaften.

Oder eine Zeitung
Foto: Rathaus-Spiele

»Sogar die Schriftgröße musste angepasst werden, als immer mehr Beiträge eingereicht wurden.« Wer das in einem Projektrückblick schreiben kann, darf zufrieden sein (was nicht dasselbe ist, wie sich zufrieden zu geben). Die »Oderberger Tribüne«, temporäre Mitmach-Stadtzeitung für eine Kleinstadt ganz im Osten, habe »Vertrauen aufgebaut, positive Aufmerksamkeit erzeugt und zu einem gestärkten städtischen Selbstwertgefühl beigetragen«, resümiert die Plattform Kulturelle Bildung Brandenburg. Initiiert und getragen wurde das Projekt unter anderem vom Verein für akute kulturelle Interventionen und den Organisatoren der Rathaus-Spiele. Auf deren Webseiten sind die Ausgaben weiterhin abrufbar.

Begonnen schon in der letztjährigen Ausgabe der Rathaus-Spiele, ging es um das »Spiel der Medien und Meinungen, des Ausfechtens und Ringens um Positionen«: Wo manche Stimmen dauernd zu laut und omnipräsent, andere dagegen kaum gehört und stets zu leise sind, wollte man eine Gelegenheit zum Mitmachen schaffen, eben: eine Tribüne. Ein erhöhter Platz also, das passt zu Oderberg landschaftlich und zu den Rathaus-Spielen außerdem. Insofern es die Trennung zwischen den Rednern da oben und den Zuhörern da unten aufhebt, das Verhältnis umkehrt: Über das Döner-Duell haben Jugendliche selbst geschrieben. Über die lokalen Kontroversen, die welche die Rathaus-Spiele in Oderberg und unter den Stadtverordneten ausgelöst haben, berichten die Macherinnen. Im Bäckerdialog reden Bäcker aus der Gegend, eine syrische Familie erzählt vom Ankommen in Oderberg. Und die Postkarten an die Oder sind auch abgedruckt.

Dem Fluss zu schreiben, das war eine Idee der »Botschaft der Oder« im Rahmen der Rathaus-Spiele. »Botschafter« Uwe Rada hat seine Perspektiven auf den Fluss als Vorstellungen von verschiedenen Räumen eingenommen: die Oder als Zwischenraum, als politischer Raum, als Echo- und Begegnungsraum… Wie Rada den Fluss und die großen Fragen zusammenbringt, kann man hier nachlesen. Das ist auch nach dem Ende der Rathaus-Spiele 2026 alles überaus nachdenkenswert.

Ebenso ist den bisher erschienenen sechs Ausgaben der »Oderberger Tribüne« eine möglichst lange Verweildauer im Internet zu wünschen (und ein paar neue Ausgaben 2027). Auch als temporäres Zeitungsprojekt gehören die Ausgaben zu jener demokratischen Infrastruktur, von der hier schon die Rede war