Heimat machen können
Mit einer »Heimat-Agenda« sollen regionale Kultur, gesellschaftlicher Zusammenhalt und lokale Wirtschaft gestärkt werden. Es geht um Tradition, Zukunft und gleichwertige Lebensverhältnisse. »Heimat gehört denjenigen, die sich um das Miteinander kümmern«, sagt der Minister.
Für Heimat ist das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung erst seit dieser Legislaturperiode zuständig. Nun hat Ressortchef Alois Rainer (CSU) »den Kompass einer modernen Heimatpolitik« vorgestellt: die so genannte Heimat-Agenda. »Heimatpolitik soll aus der Perspektive der Menschen gedacht werden, die ihre Regionen und Gemeinschaften prägen und Verantwortung übernehmen. Sie soll ihnen mehr Möglichkeiten geben, eigene Ideen umzusetzen und ihre Heimat aktiv mitzugestalten«, so heißt es beim BMLEH.
Als konkrete Maßnahmen hat man unter anderem »Heimat-Dialoge« angekündigt. Außerdem sollen ein »Heimatreport« und ein Landatlas »Erkenntnisse darüber liefern, was Menschen in ihrer Heimat bewegt und wo konkreter Handlungsbedarf besteht«. Die repräsentative Umfrage soll noch in diesem Jahr vorgestellt werden. Ein »Bundespreis Heimat« soll künftig »Menschen und Initiativen auszeichnen, die sich in besonderer Weise für ihre Heimat und das gesellschaftliche Miteinander engagieren«.
Angekündigt hat das Ministerium auch einen »Kurswechsel« in der Förderung: Man wolle »weg von immer neuen Einzelprojekten« kommen und stattdessen eine Förderpolitik verfolgen, »die dauerhaft wirkt und den Menschen vor Ort mehr Gestaltungsspielräume eröffnet«. Minister Rainer wiederholte zudem bereits bekannte Talking Points der Regierung: Bürokratie solle abgebaut, regionale Wertschöpfung als »Standortfaktor« vorangebracht werden. Hierzu solle das »Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen« gezielt forschen. Ein FAQ zur Agenda findet sich hier.
Heimat versteht das Ministerium nicht als eng gefassten Begriff – eher im Plural, »weil Heimat vielfältig, individuell und wandelbar ist«. Der Begriff stehe »für Zugehörigkeit, Vertrautheit, Sicherheit und Geborgenheit. Heimat entsteht dort, wo Menschen sich wohlfühlen, sich einbringen können und gemeinsam Verantwortung übernehmen«.
Rainer will die »Heimat-Agenda« denn auch als »Einladung an Kommunen, Vereine, Unternehmen, ehrenamtlich Engagierte und alle Bürgerinnen und Bürger« verstanden wissen. Das spielt den Ball zurück zu jenen, die vor Ort mit ihrem Engagement erst »Heimat machen« – und gegenüber denen sich das Ministerium als »Möglichmacher« sieht. Heimat gehöre »denjenigen, die sich um das Miteinander kümmern«. Dafür braucht es Unterstützung. Ob und wie diese seitens der Bundesregierung in Zeiten als knapp angesehener Kassen stärker werden könnte, wird sich noch zeigen müssen.
Bisher gibt es Fördermöglichkeiten vor allem über das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung. Im Rahmen von »Land.Heimat.Innovativ« werden Projektideen unterstützt, bei »RegioKost« geht es um den Aufbau von Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen für Lebensmittel, bei »LandStation« um Mobilität in ländlichen Räumen. Auch offene Daten, Mobilfunk, soziale Dorfentwicklung und der »Faktor Kultur« können gefördert werden.
Zu letzterem verweist die »Heimat-Agenda« auf die über 170 Einträge für immaterielles Kulturerbe, welche die UNESCO für Deutschland verzeichnet. Es geht hierbei um regionale Ausdrucksformen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik; auch um Bräuche, Feste, das Wissen über unsere Umwelt und handwerkliche Fähigkeiten. Welche lokalen Beispiele könnten einem da für das Oderbruch einfallen? Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ist unsere Gegend bereits ausgezeichnet worden – und mit ihr über 40 ausgewiesene Kulturerbe-Orte, die das kulturelle Erbe im Oderbruch erlebbar machen.