Mehr Letschiner Zeitungen?

Die Geschichte der ab 1882 in Letschin erscheinenden »Zeitung für das Oderbruch« ist in der Ortschronik relativ ausführlich beschrieben. Doch gab es vielleicht noch andere Blätter, deren Titel auf den Ortsnamen verwiesen?

Mehr Letschiner Zeitungen?
Foto: CC BY-NC-SA Haus Birkenweg

Am 1. April 1882 kam in Letschin die erste Ausgabe der »Zeitung für das Oderbruch« heraus. Der aus Bayern stammende Buchdrucker Franz Sirch hatte das Unterfangen begonnen. »Doch ohne Unterstützung des Kaufmanns Gustav Sasse wäre das Unternehmen wohl bald eingegangen. Er half finanziell, warb Abonnenten und Inserate für die Zeitung, sorgte für Druckaufträge und teilte wichtige Lokalnotizen mit. Auch Kaufmann Schneller förderte die Zeitung. Nach zwei Jahren hatte man 600 bis 700 Abonnenten, einen Gesellen und zwei Lehrlinge«, so berichtet es die »Letschiner Chronik«. Es folgten verschiedene Besitzer, ab 1923 erschien das Blatt täglich bis 1945. Beilagen wie »Heimat und Haus« zählen zu den wichtigen lokalgeschichtlichen Quellen.

Von der »Zeitung für das Oderbruch« wird an anderer Stelle noch ausführlicher die Rede sein. Hier soll es um die Frage gehen, ob noch andere Blätter erschienen, deren Titel auf den Ortsnamen verwiesen. Die Quellenlage ist recht dünn, man findet aber Hinweise, dass es noch mehr Zeitungen mit »Letschin« im Titel gegeben haben könnte.

So berichtet der »Vorwärts« der damaligen Mehrheits-SPD im Februar 1921 polemisch über ein Treffen der Ortsgruppe der abgespaltenen USPD in Letschin: Für diese sei bei den Wahlen zum Preußischen Landtag im Dorf keine einzige Stimme abgegeben worden – obwohl doch eine Mitgliederversammlung wenige Tage darauf annonciert worden sei. Auch der »Paderborner Anzeiger« griff die Anzeige in polemischer Weise auf. Sie sei, heißt es gleichlautend  in beiden Quellen und in auf einen existierenden Titel verweisenden Anführungszeichen, im »Letschiner Wochenblatt« erschienen.

Von einem »Letschiner Wochenblatt« ist sonst nirgends die Rede. Die »Zeitung für das Oderbruch« wurde bis 1922 im Handsatz gefertigt und auf einer Handpresse gedruckt. »Damals erschien die Zeitung dreimal pro Woche«, heißt es in der Ortschronik. Meinten die Redakteure von »Vorwärts« und »Paderborner Anzeiger« womöglich die »Zeitung für das Oderbruch«? Wurde die Anzeige ohne genaue Quelle an sie übermittelt, weshalb sich das »Letschiner Wochenblatt« als Zeitungs-Ente in doppeltem Wortsinne einschlich?

Nachprüfen ließe sich zumindest, ob in besagter Zeit eine USPD-Anzeige für die Mitgliederversammlung erschienen ist (»nach der Versammlung Tanzkränzchen«). Allerdings scheint der Jahrgang 1921 in den Beständen der Uni Kraków ebenso zu fehlen wie in denen der Staatsbibliothek zu Berlin. Weitere Exemplare befinden sich in den Letschiner Heimatstuben, aus dem auch die oben abgebildete Ausgabe von 1890 stammt.

Bevor die »Zeitung für das Oderbruch« regelmäßig erschien, hatten Franz Sirch und seine Unterstützer 1882 eine Probenummer unter dem Titel »Letschiner Zeitung« herausgebracht. Möglicherweise hat es ein solches Blatt später tatsächlich noch einmal gegeben. 

In der mehrbändigen »Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg« findet man diesen Hinweis gleich zwei Mal: Einmal ist von einer »Letschiner Zeitung. Küstrin 1928. Aufgeg. in: Oderblatt Küstrin« die Rede (Band III, S.517), ein anderes Mal wird dort als Quelle eine »Letschiner Zeitung« aufgeführt, die als Teilausgabe der »Oderblatt – Vereinigte Neumärkische Provinzzeitungen« erschienen sein soll und zwar von 1932 bis 1944. Das »Oderblatt« erschien in der Nachfolge der »Küstriner Zeitung«. In der Zeitschriftendatenbank findet sich zum »Oderblatt« ein Eintrag – allerdings ohne die Nebenausgabe »Letschiner Zeitung«. Die ZDB-Referenz umfasst allerdings als Erscheinungszeit nur die Jahre 1934 bis 1944, versehen mit einem Fragezeichen.

An anderer Stelle stoßen wir noch auf einen »Letschiner Generalanzeiger«, der 1930 bis 1932 unter dem Dach oder in der Nachfolge des »Neumärkischen General-Anzeigers« erschienen sein soll. Der »Generalanzeiger« taucht in einer Übersicht der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher über historische Lokalzeitungen der Neumark ebenso auf wie im »Städtebuch Historisches Ostbrandenburg« (S.242).

Etwaige Hinweise zum »Letschiner Generalanzeiger« oder zur »Letschiner Zeitung« sind gern willkommen unter quappendorfer [at| gmx [Punkt] de.