Energie im Oderbruch
Elf Windräder, zwei Biogasanlagen und sieben Photovoltaik-Anlagen gibt es derzeit in Letschin. Der Ausbau der Erneuerbaren Energie ist wichtig und umstritten zugleich. Das alles kommt im Jahresthema 2026 des Oderbruchmuseums zur Sprache. Und noch viel mehr.
»Wie sahen gestern und vorgestern, wie sehen heute und wie werden womöglich die energetischen Verhältnisse im Oderbruch zukünftig aussehen?« Rund um diese Frage dreht sich das Jahresthema 2026 des Oderbruchmuseums. Anfang April ging es in Altranft los – unter anderem mit einem Werkstattgespräch. Mit dabei EWE-Beauftragter Oliver Ruch und Martin Wiese, Leiter des Bauamtes von Letschin.
Was sind die Perspektiven der Energieversorgung im Oderbruch? Wie verhalten sich dabei neue technische Lösungen und alt gewachsene Landschaften zueinander? Wie machen Menschen die Energiewende – und was macht das mit ihnen? »Ein gewichtiges Thema, das spaltet, aber auch zusammenführen kann«, so hat es das Oderbruchmuseum formuliert.
Man kann sagen: Jede hat damit schon Erfahrungen gemacht. Ob es um neue Ausschreibungen für großflächige Photovoltaik-Anlagen geht, die mit landwirtschaftlichem Boden konkurrieren. Oder bei den täglichen Nachrichten, die von den übergeordneten Diskussionen über Windräder, Dunkelflaute und die finanzielle Beteiligung von Kommunen an der Energiewende berichten.
Als Einführung ins Jahresthema hat das Oderbruchmuseum eine sehr lesenswerte Materialsammlung zusammengetragen. Da kann man nicht nur den Teilregionalplan »Erneuerbare Energien« der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree mit Blick auf Landschaftsbild und Kulturerbe Oderbruch nachlesen, sondern auch, wer sich und warum beim »Energietisch Oderbruch« engagiert.
Naturschützer formulieren in der Materialsammlung ihren Standpunkt ebenso wie Vertreter der Bauernschaft, die angesichts wachsender ökonomischer Sorgen Perspektiven als Energiewirte sehen. Unternehmen der Energiebranche stellen ihre Sichtweise vor, Kommunalpolitiker berichten von ihren Erfahrungen. Wie »Energie im Kleinen« ganz anders gedacht werden kann, zeigt Christoph Sagel, der als Architekt im Letschiner Ortsteil Sophienthal wirkt.
Und Martin Wiese berichtet in einem sehr offenen Text vom »kommunalpolitischen Minenfeld«, das sich rund um die verschiedenen Vorhaben zum Ausbau der Erneuerbaren ausgebreitet hat – auch in Letschin. Er spricht die Konflikte an, die Schwierigkeiten bei der Suche nach Konsens, an deren Ende mitunter ein Kompromiss steht, in dem sich »niemand wiederfindet«. Wieses Wunsch, nicht nur beim Thema Energie »wieder mehr Bereitschaft zum Austausch und Achtung vor dem Anderen« walten zu lassen, soll hier ausdrücklich zitiert werden.
Das Material zum Jahresthema blickt aber nicht nur auf die aktuellen Kontroversen, sondern auch auf die Energie-Geschichte des Oderbruchs. Wussten Sie, dass bei Bad Freienwalde bis in Nachkriegszeit Braunkohleabbau betrieben wurde? Wissen Sie noch, was ein Pferdegöpel ist? Und was ist mit der Energie der Natur, die hier im Oderbruch vor allem als die des Wassers oft ihre ganz eigenen Wege ging?
Wer die Energiewende für notwendig hält und sich sogar mehr Geschwindigkeit und Planungssicherheit wünscht, wird viel an der gegenwärtigen Politik der Bundesregierung zu kritisieren haben, in der die Gaslobby ihren Fußabdruck hinterlässt. Zugleich wird sich, wer so denkt, nicht der Frage verschließen, ob die Landschaft Oderbruch im Zuge der »Rückkehr« der Energieproduktion in die ländliche Fläche« nicht auch Gefahr läuft, »dass die Energieproduktionsanlagen ihre historische Lesbarkeit überformen«, wie es beim Oderbruchmuseum hießt.
Eine Kulturlandschaft als werdende Energielandschaft – dieser Entwicklung wird man wohl kaum noch einen Riegel vorschieben können (und wollen). Dass dabei der Schutz des einen eine wichtige Rolle spielen sollte, ist keine Frage. Zugleich stellt sich die danach, ob das Oderbruch hier am Beginn einer nächsten Wandlung steht. Die »Transformation« zu etwas anderem, bei dem Teile des Alten bewahrt, weiterentwickelt oder neu erfunden wurden, gehört zur historischen DNA unserer Region. Die gesellschaftlichen Veränderungen, die mit der »Trockenlegung« einhergingen, sind dafür ein Beispiel. Der Umbruch nach 1989 auf seine Weise ein anders.
»Gibt es ein menschliches Maß für die Gestaltung der Energieverhältnisse im Oderbruch?«, heißt eine Frage beim Oderbruchmuseum. Sie lässt sich erweitern, geradezu auf globale Ausmaße: Welches menschliche Maß passt zu einem Planeten, dessen natürliche Grenzen die bisherigen Weisen zu produzieren, zu leben und Energie zu erzeugen, zu nutzen bereits überwuchert haben? Jahresthema wie Materialsammlungen wollen der »Debatte den einen oder anderen kleinen Impuls geben und zum Nachdenken über die Bedeutung von Energie in unserem Leben anregen«.