7,5 Tonnen pro Kopf
Seit knapp einem Jahr liegt die Letschiner Wärmeplanung vor. Der Abschlussbericht ist auch eine Art Lesebuch mit vielen Fakten zur Gemeinde: Zahl der Gebäude, Treibhausgas-Fußabdruck, Stromverbrauch. Bei der Einwohnerzahl fällt eine wohl zu positive Prognose ins Auge.
Bis 2045 soll hierzulande die Wärmeversorgung treibhausgasneutral werden. Auf dem Weg dorthin müssen die Kommunen einige Hausaufgaben machen. Das Wie und Was ist unter anderem im Gesetz für die Wärmeplanung und in einer Brandenburger Verordnung geregelt. Ein Fünftel der Brandenburger Kommunen hat ihre Wärmeplanung bereits abgeschlossen – darunter Letschin. Der entsprechende Abschlussbericht liegt seit fast einem Jahr vor, er wurde in der Gemeindevertretung ohne Gegenstimme angenommen.
Über Neuigkeiten ist hier also nicht zu berichten. Es soll vielmehr um die vom Beratungsunternehmen EnPrOpt vorgelegte 82-seitige Expertise gehen – denn die ist sozusagen als Lesebuch über die Gemeinde sehr interessant. Um den Vorgaben der Wärmeplanung zu genügen, haben die Energieexperten eine Fülle von Informationen zusammengetragen.
So erfährt man darin etwa, dass es insgesamt »7.669 Bauten bzw. Gebäuden« in Letschin gibt, etwa 2.100 davon wärmeversorgt. Gut 1.700 Gebäude beherbergen private Haushalte, etwa 30 sind kommunale Einrichtungen. Wie in ländlichen Gebieten üblich gibt es überwiegend Einfamilienhäuser, ein großer Teil davon wurde vor 1948 errichtet.
Geheizt wird in Letschin überwiegend mit Gas – eine Folge der Oderflut 1997. Kohle und Öl sind laut dem Bericht bei fast 40 Prozent der Heizungen im Einsatz. »Regenerative Energieträger spielen aktuell noch eine untergeordnete Rolle.« Im Kontrast dazu steht, das auf Letschiner Gemeindegebiet »eine Energieerzeugung von 155 GWh« vor allem über Photovoltaik-Anlagen produziert wird. Der für die Kommune geschätzte Jahresendenergiebedarf für Heizung und Warmwasser wird auf ingesamt 89,3GWh taxiert.
Am jährlichen Endenergiebedarf von 98,5 GWh hat Wärme also den ganz überwiegenden Anteil, der Endstrombedarf beträgt nur rund 10 Prozent. Und: Die »Verluste der Energieerzeugung für den Wärmebereich« liegen laut den Experten bei »über 15 GWh und damit 17 Prozent des bilanzierten Endwärmebedarfs«.
Verbrauch und Verluste gehen mit Treibhausgas-Emission einher – in Letschin betragen diese 29.405 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Damit entfallen im Schnitt allein aus der Nutzung von Wärme und Strom etwa 7,5 Tonnen CO2eq auf jede Einwohnerin und jeden Einwohner. Der Treibhausgas-Fußabdruck liegt damit – nicht unüblich für ländliche Gebiete - über dem bundesweiten Durchschnitt.
Reduzieren ließen sich diese Emissionen zum Beispiel durch Sanierung des Gebäudebestands. Hier hat EnPrOpt »ein hohes theoretisches Sanierungspotenzial von 75 Prozent« ermittelt. Das bedeutet, dass eine Vollsanierung aller Gebäude den Wärmebedarf »auf 25 Prozent des aktuellen Bedarfs verringern« würde. Wie gesagt: theoretisch. Denn von Wirtschaftlichkeitsfragen abgesehen liegt die Sanierungsquote hierzulande üblicherweise bei 1 Prozent, »sodass fast 100 Jahre benötigt würden, um dieses Potenzial zu heben«.
Im Abschlussbericht finden sich außerdem Szenarien zur Entwicklung des Wärmebedarfs, bei dem unterschiedliche Zahlen der Heiztage in Zeiten der Klimaerwärmung, zur Bevölkerungsentwicklung und zur Sanierungsrate zugrunde gelegt wurden. Dass die Experten bei der Einwohnerzahl »eine weitgehend stabile Tendenz mit nur leichten Schwankungen« bilanzieren und für die Zukunft erwarten, »dass die Einwohnerzahl mindestens auf einem konstanten Niveau verbleibt bzw. geringfügig ansteigt«, dürfte etwas verwundern. Seit 2007 hat Letschin etwa 1.000 Einwohner verloren, ein gutes Fünftel. Selbst wenn man – anders als bei der Zensus-Methode – die Gesamteinwohnerzahl zugrunde legt, die auch Bewohner einbezieht, die in Letschin ihren Zweitwohnsitz haben, bleibt es bei einem deutlichen Rückgang. Wird sich dieser Trend künftig wirklich umkehren oder jedenfalls deutlich abschwächen?
So oder so: Nach der Wärmeplanung ist vor neuen Hausaufgaben. In verschiedenen Gemeindegebieten soll unter anderem geprüft werden, ob Flusswärme aus der Oder (Groß Neuendorf) oder Abwärme einer Biogas-Anlage (Wollup) für kleinräumige Wärmenetze (Bildungscampus und Wohngebiet Straße der Jugend) genutzt werden können. Generell wird in Letschin die Wärmewende jedoch eine Sache individueller bzw. dezentraler Lösungen bleiben. Unter bestimmten Bedingungen sehen die Experten auch Energie-Bürgergenossenschaften als potenziell möglich an.